Raumbild – Bildraum, 2011

Raumbild - Bildraum (Entwurf)

Oberseegrundschule Berlin-Lichtenberg

Kunst am Bau

Auslober und Bauherr: Bezirksamt Lichtenberg von Berlin

Realisierung April / Mai 2011

Für den Kunstwettbewerb zur künstlerischen Gestaltung der Obersee-Grundschule Berlin schlage ich eine Raummalerei im Hauptflur des ersten Obergeschosses vor, die sich im Spannungsfeld zwischen verräumlichtem Bild und verbildlichtem Raum befindet. Die vorgeschlagene Arbeit bewegt sich im Grenzbereich zwischen Malerei und Architektur und stellt die Tradition des zweidimensionalen Tafelbildes in einen neuen Zusammenhang. Während im illusionistischen Gemälde Tiefenraum vorgetäuscht wird, kehrt sich bei diesem Vorschlag das Verhältnis um: Flächigkeit im Raum wird erzeugt.

Die Abbildung des Flures wird in ein Streifen-Raster übersetzt, welches die Tonwertigkeiten in zwei einzelne Farben aufspaltet. Dieses Streifenrasterbild vom Flur wird zunächst, um ca. einen Meter nach rechts versetzt, in den Raum projiziert und dann durch Farbanstrich an Wänden und Decke und am Boden entsprechend durch eine Intarsienarbeit aus Linoleum übertragen. Die Projektion des Bildes erschließt sich nur von einem Standpunkt aus - im ersten Drittel des Flures, auf Augenhöhe der Grundschulkinder. Beim Betreten des Bildraumes zerfällt das Bild in ein abstraktes Streifenmuster.

Durch die Doppelung des echten Flures und seines Abbildes entsteht eine Überlagerung von Wirklichkeit und Bildwirklichkeit. Der Flur wird in seine unterschiedlichen Erscheinungsformen, in Original und Abbild zerlegt. Wände, Boden und Decke sind gleichzeitig Bildträger und Bildmotiv; der Raum bildet sich auf sich selbst ab.

Mich interessiert die Idee der Auflösung von Raum. Diese Auflösung geschieht zum einen durch den Eindruck der “Doppelbelichtung”, der Verschiebung und Durchlässigkeit des Raumes. Weiterhin entsteht in der vorgetäuschten Flächigkeit ein Kippbild, welches das Motiv in einer gedachten Projektionsebene erscheinen läßt und dann wieder in die Tiefe zurückspringt. Beim Verlassen des Betrachterstandpunktes beginnt das Bild auseinanderzufallen. Die festen Koordinaten der Architektur werden aufgelöst, sobald man sich im Bild befindet.

Der vorliegende Entwurf geht von dem gegebenen Kontext der Grundschule und der Nutzung der Grundschulkinder aus. Er setzt auf den Dialog mit dem Betrachter, auf das Erlebnis und die Nutzung der Räumlichkeiten als Durchgangsbereich. Malerei wird körperlich erfahrbar, ein Bild begehbar gemacht. Durch die Bewegung im Raum ergeben sich fortlaufend neue Ansichten, neue Kompositionen und Lesarten. Ich möchte für die Schulkinder der Obersee-Grundschule in dem klassischen Durchgangsraum eines Schulflures eine Erlebnisumgebung schaffen. Dort können sie in eine gemalte Streifenwelt eintauchen und von dieser Dynamik getragen ihre Klassenräume wechseln. Auch außerhalb der Klassenräume wird hier die Wahrnehmung der Schüler auf die Probe gestellt und dadurch geschärft.