Broken Tautologies
chipboard, wood, plaster, paint, projection
installation view:

'Broken Tautologies', Senatsreservenspeicher
Berlin, 2011

 

 

 

 




 

Die Ausstellung „Broken Tautologies“ setzt sich mit der Verbindung von Real-Raum und virtuellem Raum auseinander. Was würde passieren, wenn man Funktionen des Bildbearbeitungsprogrammes Photoshop wie zum Beispiel „Schnellauswahl“, „Lasso“ oder „Auswahl verschieben“ nicht nur auf ein Foto, sondern auf den Ausstellungsraum anwendete? Sinta Werner geht dieser Fragestellung nach, indem sie einen Ausschnitt der sichtbaren Architektur „real“ kopiert und im Raum verschiebt. Das „kopierte“ Architekturfragment bleibt dabei weiterhin im Status „ausgewählt“, wird also von einer schwarz-weiss blinkenden Linie begrenzt. So trifft der Betrachter beim Eintritt in das ca. 6 Meter hohe Dachgewölbe auf eine Kuriosität: anscheinend hat jemand ein Stück Raum kopiert und wieder eingesetzt, und zwar „auf“ oder „in“ das Ambiente. Das ist ein klassischer Fall aus der Welt der Fotocollage, ob analog oder digital, aber im dreidimensionalen Raum angewandt kommt es zu einer seltsamen Verschmelzung. Gesetze der Perspektive werden ausgehebelt, der gewohnte Raum kollabiert, es entsteht ein spezieller „Zwischenraum“, eine „Transit-Situation“.

Bei Sinta Werners Intervention findet eine Verdoppelung des Raumausschnitts statt. Durch die Beschneidung entlang der Sichtachsen und die Referenz zur Photoshop-Funktion wird das nachgebildete Stück Raum zum Bild und verweist auf seine Entsprechung einen Meter daneben. Der Raum hat sich verselbständigt und beschreibt in seiner Selbstbezüglichkeit eine alberne, fast komikhafte Geste. Die Arbeit ist nicht nur als eingefügte Realitätswerdung höchst ungewöhnlich, sie ist auch eine objektgewordene Vielzahl von Bezügen, welche den Begriff „Tautologie“ in kunsttheoretischer Hinsicht fragmentiert und auffächert. (Stephan Köhler)